Sonntag, 30. November 2014

Meine Bücherwelt: Heute ist der erste Advent! Genießt die Zeit, z...

Meine Bücherwelt: Heute ist der erste Advent!


Genießt die Zeit, z...
: Heute ist der erste Advent! Genießt die Zeit, zündet ein erstes Kerzchen an. Gönnt Euch innige Zeit mit Euren Lieben.  Nic...
Heute ist der erste Advent!



Genießt die Zeit, zündet ein erstes Kerzchen an. Gönnt Euch innige Zeit mit Euren Lieben. 

Nicht die Menge macht es. Schenkt einfach mit dem Herzen. Diese Gabe gibt es kostenlos
Sicher ist die Nähe, diese herzliche Freude im Miteinander besonders wertvoll. Bitte vergesst bei all Eurer Freude die Menschen draußen nicht. Menschen, die einsam und allein sind. Es gibt sie, die Armen, die Obdachlosen und die Flüchtlinge. Oft sind es auch Kinder, die hilflos dahin dümpeln, nicht wissen wohin. Schaut nicht weg.



Alles Schöne zu Euch, bleibt gesund.



Herzlich Eure Sonja 

Freitag, 7. November 2014

Meine Bücherwelt: Herzlich Willkommen!

Meine Bücherwelt: Herzlich Willkommen!







Diese Erzählung, niedergeschrieben
durch gutes Zuhören, bewegt mich tief. Namen wurden verändert.
Ich selbst bin ein deutsches
Flüchtlingskind von 1961, ein Kind der damals bevorstehenden Mauer.
Ein Teenager voller sprudelnder Ideen.
Plötzlich schien alles verloren,
schwer voll dazu zu gehören. Fremd in Deutschland. Ich verstand die
Sprache und trotzdem fühlte ich mich fern. So als wäre ich von
einem anderen Stern, aus einer anderen Welt. War es nur der Dialekt,
der so hart trennte?
Ich weiß genau, wie weh das tut,
Flüchtling zu sein. Damals war ich 15 Jahre alt. Ich war Deutsche
und zog von Ost nach West, schon das war schwierig. Durch die Mauer wurde alles anders. Man war abgeriegelt von der weiteren Familie und von Freunden. Weit weg von dem einst warmen Nest des Geborgenseins.


Ulima, die Weise
Empfindungen eines klugen
Flüchtlingsmädchens aus dem Kurdenland, aus Syrien.


Ulima, die Weise, hat man sie benannt.
Damals bei der Flucht , war sie noch nicht einmal 10 Jahre alt. Sie
ist die Jüngste von vier Kindern.


Vor vier Jahren mussten ihre Eltern,
aus Glaubensgründen, die Heimat verlassen. Nur sie konnte mit. Die
Brüder waren beim Militär eingezogen. Damit war eine Flucht für
diese jungen Menschen völlig unmöglich geworden. Wer weiß, ob sie
sich je wiedersehen dürfen?
Große Verzweiflung, Ratlosigkeit. Der
Entschluss zur Flucht war beschlossene Sache. Entschlossen reisten
sie über verworrene Wege, verbunden mit reichlich Angst, schließlich
in Deutschland ein. Lageraufenthalte, medizinische Untersuchungen,
schwierige Befragungen folgten.


Sie hatten viel Glück. Sie durften
bleiben. Ein völlig neues Leben begann. Zuerst ein stummes Leben,
fast ohne Worte. Die, die sonst eine eingeschweißte Familienkultur
pflegten, sie waren allein. Sie verstanden fast nichts. So versuchten
man sich mit der englischen Sprache zu verständigen. Zum Glück
hatten sie eine Schulbildung genießen dürfen. Das ist dort auch
nicht immer so.


Nun hieß es lernen, sich anpassen,
Arbeit suchen. Eine unbekannte Welt öffnete sich sehr langsam. Mit
der Zeit begannen sie sich zu integrieren, weil sie es wollten. Die
Gemeinde stellte eine Wohnung, man sorgte für das Nötigste. Ulima
besuchte eine Hauptschule und kämpfte sich mit viel Fleiß und
Willen durch.
Diese kleine Familie lebte nun in einem
kleinem Dorf sehr vereinsamt. Dort schloss sie inzwischen einzelne
wenige Freundschaften.


Hier beginnt eine spezielle Geschichte:


Tim, Tom und Ulima spielten in ihrem
Heimatdorf oft auf der Straße, dort vorm Haus.
Während Tim und Tom, mit
Spielzeugpistolen bewaffnet, sich bedrohten, starrte Ulima traurig in
ihr Smartphone. Sie schien sichtlich erschüttert zu sein. Was war
passiert? Tränen kullerten aus ihren schwarzen Augen. Was ist
geschehen, dass sie so traurig wurde?
Es gab seit langer Zeit keinen Kontakt
mehr in ihre Heimat. Das betrübte sie, das ist schier unerträglich.


Ulima lebte hier noch recht
abgeschieden. Vertraute Menschen fehlten ihr. Vieles war noch immer
fremd. Ein völlig anderes Leben, eine andere Kultur. Aber sie durfte
hier in Frieden leben, eine Schule besuchen, lernen. Das war in ihrer
Heimat nicht mehr möglich.


Nachdenklich, mit nassen Augen,
betrachtete Ulima ihre neuen Freunde. Die bekämpften sich, spielten
kleinen Krieg. Sie schlugen sich und rangen am Boden. Es waren
bereits Schürfwunden im Gesicht, an Arm und Beinen zu erkennen.
Schnell zückten sie ihre Pistolen,
richteten sie gegenseitig auf ihr Gegenüber. Lautes Geschrei. Sie
gerieten regelrecht in Rage.
„Hände hoch, ich werde Dich
erschießen“, schrie Tom.
Tim schrie zurück: „Ich werde Dich
zuerst töten.“
Sie steigerten sich regelrecht, gingen
sich härter an, verletzten sich immer mehr. Blut rann aus Tims Nase.
Scheinbar waren sie nur noch im Kampf.
Das Rundum, die Wirklichkeit schien weit weg.


Ulima merkte schnell, hier wurde aus
kindlicher Spielerei harte Realität. Das war längst kein Spiel
mehr. Das war echte Realität. Die Jungs verloren die Kontrolle im
Miteinander.


Ulima erkannte den Ernst der Lage.
Mutig ging sie dazwischen. Sie wollte sich das nicht weiter mit
ansehen. Laut schrie sie zu Tom und Tim:
„Stopp, aufhören! Stopp! Wollt Ihr
euch umbringen?“ In ihrer Ekstase
bemerkten sie die Hilfeschreie Ulimas nicht.


Sie schnappte sich einen
herumliegenden Ball und warf ihn hart zwischen die raufenden Köpfe.
Das zeigte Wirkung. Langsam beruhigten sie sich. Endlich kehrte etwas
Ruhe zwischen den beiden Hitzköpfen ein.


„Was geht in euren Köpfen vor?“
Die Antwort: „Wir spielen Krieg.“
Nun bemerkten die Jungs, dass ihre neue
Freundin weinte. „Was ist los mit Dir?“


Bereitwillig erzählte sie vom Krieg in
ihrem Land. Sie bangte um das Leben der Daheimgebliebenen. Die Sorgen
um ihre Lieben belasteten schwer. Ulima ist Kurdin, ihre Eltern kamen
vor wenigen Jahren aus Syrien nach Deutschland. Mit Nichts. Ohne
Geld, ohne jeglichen persönlichen Gegenstand, ohne Freunde und
Familie, ohne Kenntnisse unserer Sprache. Arm waren sie und nicht
unbedingt erwünscht in unserer Gesellschaft. Sie zogen von einem
Übergangswohnheim zum anderen. Endlich eine Wohnung, der Beginn
eines neuen Lebens?


Alles schwieriger als gedacht. Das
Zuhause ist fern. Doch das Ziel, eine eigene Wohnung war endlich
Wirklichkeit geworden. Doch die Missgunst gegen diese Fremden war
alltäglich.
Die Anwohner überprüften neugierig
genau ihr Tun. Das wirkt belastend, auch ein Stück entwürdigend.


Aber sie bewiesen es den Zweiflern.
Ankommen, angenommen sein, das war ein großer Wunsch. Dafür wollten
sie sich anpassen, dazu gehören, Neues hinzu lernen. Sie erreichten
das Ziel, weil sie fest an sich glaubten.


Heute leben sie zwischen uns ein
integriertes Leben. Beide Elternteile haben Arbeit gefunden,
sprechen unsere Sprache und freuen sich über die wundervollen
Fortschritte ihrer Tochter.
Die stolzen Eltern schenkten ihr einst
den Namen „Ulima“. Das bedeutet
die Weise. --- Und schlau ist sie. Ulima ist ein
Vorbild in der Schule und nicht nur dort. Auch im Dorf und im
Freundeskreis ist sie inzwischen sehr beliebt in ihrer neuen Heimat,
in ihrem Dorf, ihrer neuen Heimat.


Ulima sprach mit den Jungs über den
Krieg. Sie bat sie, sich nun die Hand zu reichen und zukünftig nicht
mehr Krieg zu spielen.
„Warum spielt ihr denn immer Krieg?
Warum tut ihr das?“


Spielt doch etwas Schönes: „Was
denn? Krieg ist spannend?“ --- „Spielt Frieden!“
Die Kinder sahen sich fragend an: „Wie
spielt man denn Frieden?“
Ulima schüttelte ratlos den Kopf:
„Warum ist Krieg spannend? Da wird gemordet, Menschen sind
verzweifelt, hungern, Kinder verlieren ihre Eltern, ihre Heimat und
viele weitere Dinge. Ich habe das erlebt.“


Kommt wir machen einen Plan für ein
Friedensspiel. Wir denken uns was aus, was Kindern in diesen
Kampfgebieten helfen kann. Jetzt ist alles noch ein Spiel. Doch wenn
wir groß sind, dann werden wir wirklich helfen.


Ulima ist inzwischen fast erwachsen und
ein Vorbild. Frieden macht Spaß. Frieden ist das Beste. Doch dazu
muss es noch viele Menschen wie Ulima geben, die zeigen, wie es
besser geht.


©
Copyright Sonja Kaboth
im Oktober 2014